Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

20. September 2014

useyourchances #2

Ich sitze im Zug auf dem Weg nach Hause. Vor mir sitzt eine Mutter mit ihrer Tochter, die gerade eines dieser Gummiarmbänder bastelt. Ich beobachte sie dabei. Als die Tochter ein Gummi auf ihre Vorlage spannen will, springt es aus ihrer Hand gegen den Kopf eines Mannes, der auf der anderen Seite sitzt. Das kleine Mädchen sieht schockiert drein und ich kann es mir nicht verkneifen: Ich fange so herzlich an zu lachen, dass auch die Mutter und die Tochter mit einstimmen. Ich kann mich nur schwer zusammenreißen und finde es schön mal so eine lustige Zugfahrt zu erleben. Die beiden steigen eine Haltestelle vor meiner aus.
Als ich endlich ankomme, lege ich die Regenjacke um meine Ledertasche, da es mittlerweile zu stürmen angefangen hat wie bei einem Weltuntergang. Ich drücke auf den Türöffner und die Tür gleitet langsam auf. Ich sehe Richtung Parkplätze - keiner der mich abholt. Ich drehe mich nach rechts und laufe den Bussen entgegen. Als ich einen etwas größeren Typen erblicke, dreht sich mein Magen um. Nein.
Er blickt mir tief in die Augen, während er an mir vorbei läuft - so wie ich ihm.
Als ich an ihm vorbei bin, drehe ich mich nach hinten um und sehe, wie er sich auch zu mir umdreht.
Ich drehe mich wieder nach vorne und muss so unendlich breit lächeln, dass meine Kopfschmerzen, die endlich aufgehört hatten, wieder beginnen.
Ich laufe weiter, nicht in der Lage klar zu denken. Als ich mich wieder umdrehe, steht er da und winkt mich zu sich.
Ich kann es nicht glauben.
Er ist es.
Der Basketballgröße-Typ.

Ich laufe langsam auf ihn zu, strahlend als hätte ich ihm Lotto gewonnen.
"Kennen wir uns nicht?", fragt er.
Das ist der Anfang.

- "Okay, ich schreibe dir."
- "Ich werde drauf warten."
- "Bestimmt nicht lange."

Danke Gott. Danke.


Man trifft sich immer zweimal im Leben




10. September 2014

sadness #10

wenn sie morgens in die schule ging, hatte sie immer dieses unbeschreibliche lächeln und niemand sah ihr an, dass sie schon so kaputt war. sie lachte oft und machte scherze über die alle lachten. man hätte von ihr niemals gedacht, dass sie oft bis drei uhr nachts da lag, weil ihre gedanken ihr solche angst machten. sie schaute tagsüber fast immer in den spiegel und schminkte sich nach, alle dachten sie findet sich einfach selbst hübsch, keiner dachte daran, dass sie sich selbst hasste und das alles nur machte, um sich ein wenig hässlicher fühlen zu können. sie trug immer pullis, wirklich immer, alle dachte ihr wäre so kalt, keiner dachte daran, dass sie narben versteckte. ab und an weinte sie, alle dachten sie hätte eine schlechte note oder ärger mit einem lehrer, keiner kam auf die idee, dass sie gerade einen zusammenbruch auf der toilette erlebt hatte. unsere lehrer sagten immer zu ihr, sie müsste mehr lernen, keiner von ihnen wusste, dass sie nichts mehr in ihren kopf bekam außer selbsthass. man lachte sie wegen ihrem traurigen musikstil aus, keiner von uns wusste, dass hinter den liedern eine geschichte steckte.
keiner von uns wusste irgendwas von ihr.
bis man eines tages in unsere klasse kam und uns klar machte, dass sie nie wieder kommt.