Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

26. April 2015

Lovestories #3

Es sind nur noch wenige Minuten bis 19 Uhr und plötzlich ruft er mich an. Mittlerweile ist es Samstag und der große Abend, auf den ich schon seit Tagen gewartet habe, ist gekommen. Er befindet sich schon im Treppenhaus und fragt mich wo genau ich wohne. Ich drehe durch, denn er ist so nah und es ist noch besser als ich erhofft hatte.
Die ganzen Tage hatte ich zu meiner besten Freundin gesagt, dass ich so sehr hoffe, dass er aus dem Auto aussteigt, wenn ich komme. Besser, er wollte meine Mutter sogar noch kennen lernen. Die war aber im Stress, deswegen bin ich vorher schon zur Tür raus um sie zu retten.
Und da steht er. Groß. Blond. Blauäugig. Charismatisch. Perfekt.
Ich schmelze dahin.
Zunächst gehen wir essen und dann in zwei verschiedene Bars.
Auf dem Weg zur ersten ist es grandios, da wir am Fluss entlanglaufen und es schon dunkel ist. Die Laternen scheinen in angenehmen Licht und wir unterhalten uns. So wie die ganze tolle Zeit schon. Seine Blicke sind ununterbrochen so intensiv, dass ich die Hummeln in meinem Bauch nur mit Mühe und Not im Zaum halte. Wir lächeln die ganze Zeit. Meistens davon uns an.
Selbst gerade beim Schreiben fehlen mir einfach die Begriffe und Worte um diese Perfektion, die dieser Kerl ausstrahlt, zu beschreiben. Ich bin so wahnsinnig hin und weg von ihm, davon wie viel wir in den richtigen Dingen gemeinsam haben und davon wie anders er in seinem Verhalten trotzdem ist. Es ist perfekt. Es passt perfekt. Hab mich in jedem Satz von dir verloren, in jedes Wort verliebt.
Irgendwann kommen wir dann auf das Thema "Zitate" und er möchte, dass ich ihm ein Zitat von mir vorlese. Ich muss es zunächst im Internet suchen und während ich damit beschäftigt bin, sehe ich ab und zu hoch. Er beobachtet mich, was mich jedes Mal zu einem größeren Lächeln verleitet.
Dann lese ich vor: " 'Eines Tages', sagte sie, 'fange ich Träume wie Schmetterlinge ein.'  'Und dann?', fragte er. 'Lege ich sie zwischen die Seiten dicker Bücher und presse sie zu Worten.' 'Was, wenn jemand immer nur von dir träumt?' 'Dann sind wir beide vielleicht schon Worte in einem Buch. Zwei Namen zwischen all den anderen.'" (Kai Meyer: Arkadien erwacht) Kurz bevor ich es ihm vorlese, möchte er wissen, worum es ungefähr geht. Ich erkläre es so kurz wie möglich und als ich sage, dass es in die Richtung von "Romeo und Julia" geht, lächelt er. Er lächelt. Und ich kann es nicht fassen.

Ich erzähle ihm auch von meinen psychischen Problemen, spiele es aber etwas runter. Ich würde ihn gerne bei mir halten und will ihn nicht vertreiben.

Irgendwann sind wir dann bei mir vor der Haustür. Wir kamen uns bisher nicht wirklich näher, außer dass ich mich bei ihm eingehängt und mich an ihn gekuschelt habe, wenn es kalt war.
Der berühmt berüchtigte Haustür-Moment. Ich hoffe auf das beste.
Schnell stecke ich den Schlüssel in die Tür und drehe mich dann zu ihm um. "Dann...", mehr kommt von ihm nicht. "Dann ?", frage ich. Nichts. Er lächelt. Ich lächele. Er fragt mich, ob er mit hochkommen soll. Wahrscheinlich, das ist mir heute aufgefallen, meint er es anders als ich verstehe.
Ich verstehe, dass er mit zu mir will. Schockiert stelle fest "Das meinst du ernst." Heute verstehe ich darunter, dass er mich noch zur Wohnungstür begleiten möchte. Ich habe entschieden ihn danach noch einmal zu fragen.
Ganz gespannt warte ich nun darauf, dass er mich küsst. Ich sehe ihm ins Gesicht und habe das starke Gefühl, dass er das noch nicht so oft gemacht hat, dass er aufgeregt und nervös ist. Das ist süß, er ist süß. Aber mich zu küssen, das ist seine Aufgabe. Nicht meine, so klischeehaft es klingt. So bin ich eben. Er umarmt mich fest und wir verabschieden uns.
Zuhause bin ich stark enttäuscht über das Ende, da ich nichts mehr wollte als ihn zu küssen.
Aber ich verzeihe ihm.
Er will mich wiedersehen.
Ich ihn auch.

Das alles ist neu und vielleicht ist es richtig.





20. April 2015

Lovestories #2

Ich wache auf. Es ist 10 Uhr morgens. Montagmorgens. Ja, es ist Schule, aber ich gehe nicht hin. Offiziell ist der Grund, dass ich krank bin. Inoffiziell, dass ich lernen muss für Mathe. Und der Grund für mich allein ist, dass ich mich auf das Training heute Nachmittag gegen 16 Uhr vorbereiten muss. Seelisch.
Eine Woche zuvor war ich auch dort und habe den blonden Jungen getroffen. Und dann hatte ich ihn erstmal nicht mehr wiedergesehen, aber heute soll sich das ändern.
Da ich um 18 Uhr einen Termin habe, aber bis 17 Uhr normalerweise Schule hätte, bleibt mir nichts andere übrig, als zu schwänzen, wenn ich ihn wiedersehen will.
Irgendwann ist es dann soweit. Ich fahre noch schnell beim Drogeriemarkt vorbei und betrete danach gegen kurz nach 16 Uhr das Fitnessstudio.
Und dann ist es soweit.

Während ich dabei bin mich aufzuwärmen, betritt er das Studio. Wahnsinnig gut gekleidet, ich vermute, dass er gerade von der Arbeit kommt.
Ich muss automatisch lächeln und die Schmetterlinge in meinem Bauch machen Luftsprünge. So auch ich fast. Er redet kurz mit einem ehemaligen Klassenkameraden von mir und läuft dann auch an mir vorbei. Mich anlächelnd. Ich lächele zurück.
Sobald er aus meinem Sichtfeld ist, also um die Ecke gegangen ist, muss ich vor Euphorie jauchzen und eine kurze Pause einlegen, weil ich so unglaublich fett am grinsen bin, dass ich mich nicht mehr einkriege. Dann überkommt mich ein riesen Energieschub und den lasse ich beim Aufwärmen richtig raus.. zwar nur für wenige Minuten, aber immerhin.
Sobald ich fertig bin, schnappe ich mir mein Handtuch und meine Flasche und gehe über zum Muskeltraining. Irgendwann kurz darauf kommt dann auch der Junge aus der Kabine und geht rüber zum Laufband. Ich beobachte ihn, weil ich bisher noch keinen Plan habe, wie ich ihn ansprechen soll. Trotzdem bin ich zuversichtlich.
Nach guten 20-30 Minuten bin ich bei meiner vorletzten Übung - den Squads mit Gewichten.
An dem Gerät muss ich jedoch zuerst die anderen Gewichte runterholen - 20kg Gewichte. Dabei will ich natürlich nicht blamieren. Erst hole ich das Gewicht auf der Wandseite herunter und dann auf der anderen. Auf der anderen Seite steht zufällig keinen halben Meter jemand besonderes, was mir bis zu einem bestimmten folgenden Punkt noch gar nicht aufgefallen ist: Als ich das Gewicht runterhole und leise aufstöhne, weil der Mist doch schwerer ist als immer erwartet, dreht dieser verdammt gut aussehende Typ sich um und lächelt mich an, während ich einfach nur blöd grinsend da stehe: "Wieso sagst du nichts, man kann dir doch helfen!" Die Schmetterlinge in meinem Bauch haben mittlerweile eine Verwandlung zu Hummeln durchgestanden und die machen sich ganz schlimm dort bemerkbar. "Danke.". Mehr bringe ich nicht hervor.
Kurz daraufhin betrete ich eine Matte für meine letzte Übung. Es gibt vier Matten, wobei ein Gerät zwischen den vier steht, das heißt, zwei auf der einen, zwei Matten auf der anderen Seite.
Zufälligerweise ist der Junge auch auf einer Matte, aber ich kann ihn nicht sehen.
Irgendwann kommt es dann zu folgender Kurzschlussreaktion:
Ich stehe auf und gehe rüber zum Tresen, wo ich mir einen Zettel und einen Kulli kralle. Ich schreibe meinen Namen und meine Nummer drauf und will zurückgehen, wobei der Junge gerade wieder mit einer Übung angefangen hat. Scheiße. Ich kann da ja jetzt nicht vor dem stehen und warten bis er fertig ist. Also gehe ich nochmal kurz zu meiner Matte und trinke was. Ich trinke mir Mut an. Mit Wasser.
Sobald ich sehe, dass er ruhig da sitzt, gehe ich zu ihm und setze mich in meiner ungewöhnlichen Art neben ihn auf die andere Matte. Er sieht überrascht aus und sieht mich erwartungsvoll an. Mit seinem phänomenalen Lächeln natürlich. Ich lächele unwillkürlich auch.
"Hey." - und schon halte ich ihm den Zettel hin, den er sichtlich verwirrt entgegennimmt.
"Du solltest mir schreiben." - mir fällt auf, dass ich anscheinend die besten Anmachsprüche auf dieser Welt habe.
Er sieht mich an mit einem Blick, wie ich ihn prinzipiell noch nie gesehen habe. Seine Bewegung und seine Stimme passen so perfekt zueinander, dass ich mich eigentlich nur nach hinten fallen lassen und schreien und lachen will, weil ich so hin und weg bin, dass es zur Beschreibung einfach an zu wenigen Begriffen, in meinem Sprachgebrauch und wahrscheinlich auch im Wörterbuch, gibt.
Wir unterhalten uns kurz und ab und zu grinse ich einfach nur blöd und weiß nicht was ich sagen soll, was es viel zu viel zu sagen gibt.
Irgendwann bedankt er sich und sagt mir, dass er mir schreiben wird. Während ich aufstehe, antworte ich mit "Ich warte drauf." und dann wende ich mich wieder mir selbst zu.





13. April 2015

Lovestories #1

Nach anstrengender Überwindung und dem Gefühl von "endlich geschafft" bin ich auf dem Weg zum Fitnessstudio. Geradeaus, rechts, links, rechts und geradeaus durch die Tür. Es ist relativ viel los. Ich gehe durch das Studio hindurch, zog meine Karte zum Einscannen durch und lief weiter nach hinten zu den Umkleiden. Als ich die Tür aufmache, ist das Licht ausgeschaltet, weshalb ich auf den Lichtschalter drücke, die Tür offen halte und darauf warte, dass das Licht angeht. Ich warte und warte. Dann irgendwann stehe ich immer noch da und warte und genau dann, als ich wieder auf den Schalter drücke, will das Licht gerade angehen. Also habe ich es gerade wieder ausgeschaltet. Ich stöhne auf und drücke wieder auf diesen verdammten Schalter. Eine gefühlte Sekunde daraufhin kommt ein Junge vorbei und sieht mich an, während er gegenüber die Tür der Männerumkleide öffnet.
"Geht das Licht nicht an?" Ich lächele:" Ähm... neein, sieht nicht so aus." - Genau in diesem Moment, genau in dem Moment in dem er die Anstalt macht mir zur Hilfe zu kommen (wie auch immer er mir helfen wollte), geht das Licht doch an. "Oh, jetzt." Ich lächele breit. "Aber Dankeschön."
Ich lächele weiter. Er lächelt. Ich lächele. Ich schließe die Tür.
Ich stehe nur kurz da. Lächelnd. Ich stehe da und auf einmal schießt mir in den Kopf, dass dieser Typ wahnsinnig süß ist und dieses Lächeln mich mitgerissen hat. Es ist ein Zwang ihn nochmal sehen zu müssen. Also schmeiße ich meine Tasche hin, ziehe mich schnell um und als mir klar wird, dass das sowieso schon zu lange gedauert hat, suche ich mir einen Vorwand um schon einmal rausgehen zu müssen. Demnach nehme ich meine ganzen Wertsachen, die ich jetzt alle in einem Spint vorne am Tresen verschließen werde. Meine Haare sind noch offen, meine Flasche steht noch in der Umkleide, egal. Schnell reiße ich die Tür auf und will schon nach vorne rennen, als ich ihn dort stehen sehe. Ich atme durch und laufe wieder langsamer. Die Spints stehen rechts, er links und mich sehend.
Nachdem ich mein Zeug eingeschlossen habe, stehe ich da und denke nur 'Fuck. Und jetzt ?' Mir wird klar, dass ich mich mal nicht traue ihn anzusprechen. Verzweifelt überlege ich wie ich jetzt irgendwie beschäftigt aussehen kann, aber als mir nichts einfällt, bleibt mir nichts übrig als wieder in die Umkleide zu gehen. Ich werde dorthin immer schneller und nachdem ich mir mit Lichtgeschwindigkeit ganz hässlich die Haare zugebunden, mein Handtuch und meine Flasche in die Hand genommen habe, renne ich wieder schnell raus. Ich Glückspilz. Er steht immer noch da.
Der blonde Junge redet mit dem Trainer, was ich eigentlich auch vorhatte, also bleibe ich am Tresen stehen und warte.
Irgendwann sind beide fertig und der Junge macht den Trainer auf mich aufmerksam. Der dreht sich um und kommt dann auch auf mich zu. Blöderweise, denn der Junge dreht sich um und geht. Ich erkenne, dass er eine Mannschaftsjacke trägt und ich kann lesen wo er spielt. Sofort ärgere ich mich weniger, denn mir wird klar, dass ich vielleicht im Internet nach seinem Namen suchen kann. Entweder ist er Handballer oder Fußballer, wozu ich auch eher mehr tendiere.
Genau das nehme ich mir dann auch vor.
Nach dem Gespräch mit dem Trainer und während den ganzen Übungen überlege ich, ob es nicht besser wäre, den Trainer nach seinem Namen zu fragen... im Falle, dass ich den Jungen im Internet nicht finde.
Aber ich entscheide mich dagegen.
Zuhause suche ich ihn. Eine halbe Ewigkeit. Aber ich finde ihn nicht.