Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

7. Juni 2015

#schooliswar

Ich sitze auf dem Stuhl ganz vorne links. Vor mir der Lehrer, der die Noten der Abiturprüfungen von diesem Tag bekannt gibt. Er liest jeden Namen einzeln vor und vergibt jedem seine Note, wenn er sie laut hören will. Irgendwann ist er ganz unten angekommen.
Mein Gesicht liegt in meinen Händen, während ich meine Ellenbogen auf meine Beine stütze. Alles ist ruhig, ich bin verwirrt, weswegen es nicht weitergeht. - Ich gucke hoch.
Mein Lehrer sieht mich grinsend an und lacht dann laut. "Mir entgeht nichts. Ich habe gesehen, du nimmst mir die Freude." - "Hä?", ich bin verwirrt, "was ?" - "Aja, du wirst morgen nicht zur  Mathenachprüfung antreten, denn du hast genau 100 Punkte und damit lege ich die Prüfung nieder." - Ich kann es nicht glauben. Mir kommen die Tränen: "Oh mein Gott, nein." Er lacht: "Doch."
Ich kann nicht mehr.
Ich bin so glücklich.
Meine Oma hat mich gehört.
Gott hat es einmal gut mit mir gemeint.
In diesem Moment fühlte ich nicht mehr als Glückseligkeit.
Ich hatte mein Abitur bestanden.

2. Juni 2015

#schooliswar

Ich liege hier in meinem Bett, Laptop und Handy auf mir, Katze neben mir, Aufregung in mir.
Heute ist der alles entscheidende und alles verändernde Tag gekommen, entweder ich werde meine Abiturprüfung heute bestehen und damit mein Abitur generell - oder nicht.
Langsam steigt die Aufregung und ich möchte einfach, dass es endlich vorbei ist. Vor einem Jahr genau in dieser Woche lag ich depressiv und seelisch völlig zerstört in meinem Bett, während ich mit einem Jungen von anderen Seite der Weltkugel schrieb.
Heute liege ich hier, dazu verurteilt nicht depressiv sein zu dürfen, und allein, da dieser Junge heute vergeben ist. Irgendwie bedrückt es mich und irgendwie bin ich eifersüchtig und ich hasse mich dafür, da er so wundervoll und sie so wunderschön ist und sie sich beide höchstwahrscheinlich verdient haben. Aber ich wollte ihn dieses Jahr besuchen und vielleicht sollte ich das nun nicht mehr tun - ganz sicher sollte ich das sogar nicht mehr tun.

Ich denke daran wie sehr sich ab heute alles ändern könnte.
Wenn ich mein Abitur bestehe, dann werde ich voller Freude die nächsten Wochen durch die Gegend laufen. Ich werde mich unermüdlich auf meinen Surfurlaub im Juli freuen und auf das dreiviertel Jahr Arbeit. Und dann werde ich mit meinem Psychologiestudium beginnen und vielleicht werde ich so viel mehr als bisher über mich herausfinden.
Und ich werde versuchen ein Buch zu schreiben.
Dieses Buch wird mein Leben thematisieren, natürlich idealisiert und dramatischer und ein wenig verdreht, aber es wird mein Leben bisher sein und vielleicht komme ich dann endlich damit klar.
Und wenn ich mein Abitur nicht bestehe, dann... Dann beginnt alles von vorne.
Drückt mir die Daumen.
Heute werde ich es brauchen, mehr denn je.