Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

21. August 2015

TimingisEverything #5

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich blicke abwechselnd in sein Gesicht, bei dem ich dieses Mal nicht herauslesen konnte, was es mir sagen wollte, und links aus dem Fenster. Ich empfand selten Angst vor Worten, die ich gleich zu hören bekommen sollte. Während die Stille zwischen den einzelnen Liedern mir meinen Bauch immer weiter verknoteten, denke ich an den Abschied. An die Zeit, nachdem er gegangen sein wird. Langsam sammelt sich Salzwasser in meinen Augen und ich denke, welch großartige Ironie es ist, dass ein Mädchen, dass dem Ozean angehört, aber nicht dort sein kann, Salzwasser weint. Leise bin ich froh, dass er mich gerade nicht wahrnimmt, sondern mit seinen Gedanken kämpft.
Irgendwann ist er so weit und er nennt mir das Problem, über das er sich Gedanken macht. Es ist ein Freund von ihm, der mich sehr gern mag und sich mit mir mehr vorstellen könnte. Ich lache. Mein Leben war so unglaublich ironisch: Nun, nach eineinhalb Jahren hatte ich ihn. Und dann kommt seine Freundschaft dazwischen. Und eine Distanz von rund 18170 Kilometern. W e l c h  e i n e  I r o n i e.
Ich sage ihm, dass es mir Leid tut, aber dass ich ihm das, was er wissen will, erst beantworten kann, wenn er mir sagt, was er von mir will. Ich sage ihm, dass ich diese Frage hasse und die Antwort eigentlich immer gleich ist und dass ich sie ihm eigentlich nicht stellen will und dass er ehrlich sein soll, denn alles andere wäre sinnlos und er sagt, ich wäre nicht mehr lange allein, wenn er nicht für eine halbe Ewigkeit an das andere Ende der Welt reisen würde.
Ich lache. Ich weine. Ich weiß nicht weiter.
Ich möchte, dass er aussteigt, da wir ja gerade sowieso bei negativen Themen sind. Es ist vier Uhr nachts und ich bin verrückt und er muss es wohl auch sein.
Wir stehen oben auf dem Damm und ich positioniere mich ins Licht und ich positioniere ihn passend neben mich dazu. "Du hast mich vorhin gefragt, ob meine Schulzeit wirklich so schlimm war." Er nickt. Ich öffne langsam meine Jeans und ziehe den rechten Part von meinem Hosenbund hinunter. Plötzlich sind Narben zu sehen, viel zu viele um sie noch zu zählen. "So schlimm war sie." Ich sehe seine Fassungslosigkeit in seinem Gesicht und wie unerwartet das nun war. Ruhig, gedankenleer warte ich auf eine Reaktion. Er schluckt und kommt auf mich zu. Dann sieht er mir in die Augen, greift nach meinen Händen: "Hör auf damit. Nur meine Schulter darf dich verletzen."
Doch als ich spüre, wie sich seine Finger um meine schließen, denke ich, wie typisch das für ihn ist: Immer hat er mir noch etwas zu geben, wenn man meinen könnte, dass loslassen, die einzige Möglichkeit ist.

20. August 2015

TimingisEverything #4

Wir biegen um die Ecken und der Gedanke "Wir" ist so seltsam. In wenigen Minuten kann sich so vieles ändern und damit manchmal die komplette Situation, in der du steckst. Wir fahren die Unterführung hindurch, während im Vordergrund Ed Sheeran seine Gefühle mit der gesamten Welt teilt. So wie ich. Manchmal zumindest. Zumindest hier. Mit euch. Ich blicke so oft wie möglich zu ihm hinüber und manchmal gar nicht, weil der Gedanke, dass ausgerechnet dieser eine Mensch, hier neben mir sitzt, viel zu abstrus ist um geglaubt zu werden.
Momente, in denen das Lieblingslied läuft und in denen wirklich etwas geschieht, vergisst man nicht.
Das nächste Lied habe ich genauso gern und dann stehen wir an der Ampel.
Die Stadt ist wie ausgestorben, weit und breit kein Auto. Es fühlt sich gut an, richtig. Wie könnte es aber auch nicht. Ich schließe für ein paar Sekunden die Augen und plötzlich wird das Auto, die Luft, meine Welt von äußerer Euphorie überschwemmt. Er küsst mich und alles ist gut. Und dann küsst er mich weiter und ich realisiere, dass er es ist, der diese Eurphorie verströmt - oder mir vielleicht nur dieses Gefühl vermittelt. Ich versinke in ihm, in seinen Berührungen und es sind nur Kleinigkeiten, die wahre Wirbelstürme in mir auslösen. Ich suche nach den richtigen Worten, doch die gibt es nicht.

"Wahrscheinlich werde ich jede Nacht von dir träumen", sagte sie. "Und wenn ich aufwache, weiß ich, dass der beste Teil des Tages schon vorbei ist."

TimingisEverything #3

Ich kichere nervös, mal wieder von ihm in die Enge getrieben. "Du bist mies. Du bringst mich in Absicht in so Verlegenheit." Er blickt mich frech an und gibt mir Recht. Er fordert mich extra so heraus, dass mir nichts anderes bleibt, als ihm Komplimente zu machen. Dann sehe ich ihm in die Augen und sage ihm, wie schön sie sind. Er gibt mir Unrecht und fragt, weshalb ich das Gegenteil denke. "Wenn man in deine Augen sieht, dann blickt man so tief hinein, weil sie so dunkel sind. Man weiß nicht mehr was man denken soll, man versinkt darin."
Und dann küsst er mich.


19. August 2015

TimingisEverything #2

"Weißt du, eigentlich ist jemand ganz anderer der Grund, weshalb ich angefangen habe, mich für dich zu interessieren." Ich blicke ihn verwirrt an. All die Jahre gab es kaum Momente, in denen ich nicht wusste, von was der andere sprach - dies war eines dieser seltenen Phänomene. "Meine Schwester." "Was?" Er lächelte mich an. Ich musste natürlich auch lächeln, jedoch in Übergröße, weil kein Lächeln groß genug gewesen wäre, um meine Gefühle für den Jungen vor mir, auszudrücken.
"Du weißt wie viele Mädchen da waren und wie hübsch sich alle gemacht haben. Aber als ich zu meiner Schwester kam, hat sie zu mir gesagt, dass wenn sie von allen Anwesenden eine Braut für mich aussuchen müssten, dann würden sie dich wählen." Ich schaute ihn unfassbar an und mein Kopf war nicht in der Lage wirklich zu verarbeiten, was der Junge, der mich so sehr interessierte, seit Ewigkeit, da gerade zu mir gesagt hatte. Er lacht. "Weißt du, von allen, wie viele waren es, zweihundert (?) Mädchen, nennt sie ausgerechnet dich. Das ist so unglaublich, ausgerechnet dich." Ja. Ausgerechnet mich.




17. August 2015

Timingiseverything #1

Die Stunden vergingen und mir kam es nicht genug vor. Selbst die Unendlichkeit wäre wohl nie genug gewesen. "Also, wohin fahren wir?" - "In die Unendlichkeit", antwortete er. Und es hätte nichts gegeben, was perfekter als Antwort gewesen wäre. 
Wir sitzen uns gegenüber, in meiner Lieblingsbar, trinken Cocktails und reden. Er möchte alles von mir wissen und am liebsten möchte ich ihm alles von mir erzählen. Meine Gefühle schreien geradezu danach, all das, was je mit mir geschehen ist, dem Jungen vor mir zu erzählen, aber ich weiß, dass das eine schlechte Entscheidung wäre und dass er es vielleicht nicht aushalten würde. Aushalten würde mit mir. Also erzähle ich ihm alles, was mir je passiert ist, aber ich behalte für mich, was all das aus mir gemacht hat. Vielleicht an einem anderen Tag. Seine braunen Augen blicken ernst und prüfend in die meine und mir war, als gäbe es auf dieser Welt nur noch uns beide.
Irgendwann spricht er kleine Wort aus, die für mich eine Bedeutung haben, die es mir unmöglich macht, sie genügend zu beschreiben. Er sagt mir, er findet mich verdammt interessant und dass ich anders bin, als er dachte.
Er erzählt mir genauso, dass er viel Negatives über mich gehört hat. Ein Teil davon beträfe ihn. Man sagte ihm, ich würde ihn nicht schön finden. Als er diese Worte in mein Gesicht schlägt, weiß ich nicht zu reagieren und fange an zu lachen. "Das kann gar nicht sein! Ehrlich! Das kann auf g a r  k e i n e n  F a l l  sein!" Natürlich möchte er wissen, weshalb es so abwegig ist, dass ich das je gesagt haben könnte. Ich versuche es ihm zu erklären, in einem einfachen Satz, doch ich kann es nicht aussprechen. Stattdessen reiße ich eine Seite aus meinem kleinen Kalender heraus und schreibe den Satz da drauf, schweren Herzens, denn er verrät so viel. "Es ist unmöglich, dass ich das gesagt haben soll, weil ich so sehr verknallt in dich war, dass du allein deswegen der Schönste für mich gewesen bist." Einige Tage später sagt er mir, dass für ihn dieses lächerliche Stück Papier wichtiger, auf seiner Reise sein wird, als sein Reisepass.
Im Laufe der Nacht wechseln wir noch viele Worte miteinander und ich weiß nicht, wie ich all das zusammenfassen könnte.
Mit jedem Blick auf ihn verliebe ich mich mehr. Und mit jedem Blick auf ihn wird mir schmerzlich bewusst, dass auch, wenn es mir in wenigen Tagen, in zwei Wochen, das Herz zerschmettern wird, weil er an das andere Ende der Welt flieht, das alles es wert gewesen sein wird. Und dass ich nichts anders gemacht hätte.
Unsere Zeit hatte ein Ablaufdatum. Und ich schwor mir, keine Sekunde davon zu verschwenden.

16. August 2015


Ich werde euch die tragische Geschichte erzählen - in kurzen Auszügen, in den folgenden Tagen. Und vielleicht sind diese zusammen dann der Beginn des Buches, das mein Leben schreibt.


6. August 2015

SummertimeSadness #2

Mein Blick schweift das fünfzig Euro teure Psychologie-Buch neben mir auf dem Nachttisch. Ich habe den Studienplatz für Psychologie. Ich hatte nun einen Monat Pause von meinem Leben, die ich vollkommen beim Surfen auf dem Wasser ausleben durfte. Ich bin zurück.


Der Urlaub war großartig, zunächst ein wenig schwierig, denn es waren Personen da, die ich mir auch hätte hier antun können. Aber es wurde besser.
Dann kam ich nach Hause, änderte mein Profilbild in Facebook und innerhalb von wenigen Stunden hatte ich genug neue Nachrichten um ein eigenes Fußball-Team aufzustellen.

Ich gehöre einfach nicht zu dem Typ Mädchen, in den sich Jungen verlieben.

Offiziell lege ich vor mir und der Welt nun folgendes Geständnis ab:
Ich bin immer noch nicht darüber hinweg, dass der, der wohl am besten zu mir gepasst hätte, mich nicht wollte.

Und darauf sollte noch ein weiteres Geständnis, ein Weckruf, an mich selbst folgen:
N i e m a n d ist wirklich an mir interessiert. N i e m a n d will mich. N i e m a n d, Heute nicht. Morgen nicht und vielleicht niemals.

Wie haltet ihr es da draußen nur aus ?
Ich zerfließe. Zerfließe in Selbstmitleid, falle zurück in das Loch, aus dem ich es geschafft habe, herauszukriechen. Und das erst vor wenigen Monaten.

Hilfe.