Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

21. September 2015

Timingiseverything #10

Ich renne schnell ins Badezimmer und greife, über die Toilette hinweg, nach Klopapier. Dann falte ich es zusammen und putze mir die Scheiße aus der Nase, während ich in den Spiegel vor mir gucke und das Salzwasser meine Wangen herunter rinnt und ich Schmerzen in meinem Hals verspüre, die mich irgendwie daran hindern, richtig weinen zu können. Als ich das Papier in die Mülltonne werfe, bin ich nicht mehr in der Lage meinen Schmerz im Gesicht ungesehen zu lassen. Mir laufen drei vier Tränen mehr aus den Augen und ich weiß sogar gar nicht mehr, weshalb ich weine. Ich weiß nur, dass es verdammt weh tut.

"na, dann können wir es ja genau dabei belassen. hättest mir auch einfach von anfang an sagen können, dass ich abgefuckt habe und du nun einfach kein bock mehr auf mich hast. ist wenigstens mal was handfestes als grund und kein drumherum gerede. dann hätte ich mir die mühe für den text nämlich auch sparen können. dann ist das ja geklärt. danke.
ach und übrigens. wir haben an dem tag kein gespräch geführt. ich habe ein selbstgespräch geführt, denn '...' waren noch nie eine antwort auf etwas. nur um das mal klargestellt zu haben."

";an macht sich hier in der Ferne halt Gedanken was man wirklich will und wie es weiter geht wenn man zurück kommt.. ich bin zum Entschluss gekommen das es an einer wichtigen sache für was ernstes mit dir fehlt. Du bist ein wundervoller Mensch und ich habe viel Schönes mit dir erlebt aber ich denke dass ich nicht in der Lage bin das nötige Vertrauen aufzubauen welches Voraussetzung für alles weitere ist. Es tut mir Leid dass ich mich bisher dazu nicht geäußert habe."

"gut zu wissen. und klar, dass es dir Leid tut.
tu mir wenigstens einen letzten gefallen. alles was du von mir hast. schmeiß es weg. wäre nett. danke!"

"Nein das werde ich nicht tun
Sorry"

Ich hasse dich.
Ich hasse dich, weil ich mich für den Rest meines Lebens fragen werde, wieso ich nicht genug war.

18. September 2015

TimingisEverything #9

Dunkel umrahmt der Himmel mein Sichtfeld. Es wäre ein großartiges Foto geworden. Ich stehe mitten auf einer kleinen Straße, links und rechts Wald und über mir der Himmel, der heute stolz seine Sterne vorzeigt. Vielleicht ist es eine blöde Idee gewesen, mich mit dem Freund von ihm zu treffen, der wohl auch etwas für mich empfindet. Aber mir erschien es nur als fair, nach vier Wochen, ihm endlich zu erklären, warum ich mich nicht gemeldet habe. Nun stehe ich für einen kurzen Augenblick auf dieser Straße, schaue in die Sterne und überlege, ob er vielleicht die gleichen sieht.
"Ich habe dir das letzte Mal keine richtige Antwort auf deine Frage gegeben, das tut mir Leid. Das ist mir heute aufgefallen und deswegen will ich sie dir jetzt geben." Er nickt und lacht dabei. "Du hast mich gefragt, wie ich zu deinem Freund stehe. Und meine Antwort ist.. dass ich mich jedes Mal aufs Neue immer wieder für dich entscheiden würde." Ich sehe ihm in die Augen, etwas wahreres hatte ich wohl selten ausgesprochen. 
Ich laufe zurück zu dem Auto dieses Freundes und dann fährt er mich nach Hause.

"Ich finde, wir sollten es herausfinden. Wir sollten und einfach mal öfters treffen und reden. Vielleicht wird ja was draus. Was bringt es uns, wenn wir uns in paar Monaten fragen, was wäre, wenn..."

"nein.. es tut mir leid. es tut mir so leid, aber das geht nicht. das kann ich nicht tun, damit würde ich mein wort brechen."

Und auch heute: Mit jedem Korb, den ich anderen gebe, entscheide ich mich jedes Mal aufs Neue immer wieder für dich.
Dann sitze ich auf dem Bett, es ist 1:18 Uhr und du fehlst mir.
"Was wünschst du dir, wenn du Wimpern wegpustest oder Sternschnuppen siehst?" "Das ist immer unterschiedlich. Wobei, ich glaube, ich habe noch nie eine Sternschnuppe gesehen." "Ehrlich nicht?" Ich blicke ihn dezent überrascht an, "Das ist schade!" "Und was wünschst du dir?", fragend sieht er mir in die Augen. "Ich wünsche mir immer das gleiche. Es ist ein Wunsch fürs Leben. Ich verrate es dir aber nicht." Insgeheim denke ich, dass ich es wohl doch tun werde. Irgendwann. Heute. Morgen. Wer weiß das schon. "Ich wünsche mir, dass alles gut wird. Irgendwann." Er sieht mir in die Augen: "Aber es ist doch alles gut" Ich lächele: "Ja. Gerade schon."



14. September 2015

Timingiseverything #8

Und dann verstand ich auf einmal. Es war, als würde mir gerade die Welt erklärt und es war unglaublich zu sehen, dass Nicholas Sparks Recht hatte mit dem, was er da mal gesagt hatte.
Zwei Wochen sind es nun her, dass er mich verlassen hatte und plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, schmerzte es noch mehr, als es eh schon tat, denn ich erkannte plötzlich, dass ich ihm geglaubt hatte. Wenn er mir sagte, dass er ich schön bin, dann kräuselte ich nicht die Lippen und sah beschämt weg. Nein, ich glaubte ihm und lächelte und sagte ihm, dass ich das selbe von ihm dachte.
Ich schließe die Augen, trauernd, dass der Mensch, in den ich so verliebt war. bin. was auch immer.. jetzt nicht mehr da war. Dass ausgerechnet die Person, unter so vielen Hunderten von Bekannten, der ich ausnahmsweise einmal glaubte, einfach gegangen war. Und dass wahrscheinlich nichts mehr so werden würde wie früher, wenn er in einem halben Jahr wieder käme.


6. September 2015

TimingisEverything #7

Ich saß ihm gegenüber und kam nicht umher, mich zu fragen, was ihn so besonders machte, warum er in der Lage war, Wirbelstürme in mir auszulösen, indem er nichts tat. Einfach so mir gegenüber saß und mir in die Augen sah. Und das nicht mal auf eine Art und Weise, die ich bisher vielleicht noch gar nicht erlebt hatte; nein, er saß bloß da. und sah mich einfach nur an. Mehr nicht. Und es reichte um mich die Fassung verlieren zu lassen und zu strahlen und zu lächeln und Euphorie zu verspüren, wie ich es mittlerweile immer seltener tat.
Meine Gedanken kehren zurück.
Es ist schwierig nicht an all das zu denken, was war und womöglich nie wieder sein wird. Schwierig jedoch in dem Sinne von 'schwierig es zu verkraften; zu überleben; zu überstehen.'. Schwierig im Sinne von 'nicht ständig in Gedanken mit ihm auf der anderen Seite der Welt zu sein, nicht ständig nur an ihn zu denken. traurig zu sein.'
Ich zerfließe. In Selbstmitleid, in Trauer. Die Grenze ist schon so sehr verwischt worden, dass auch ich nicht mehr in der Lage bin die kleinen Bruchstücke, die darauf einen Hinweis geben könnten, zu erkennen und der richtigen Seite zuzuordnen.

1. September 2015

TimingisEverything #6

Und dann sitze ich da, auf seinem Bett, bereit loszulassen. Oder auch nicht. Ich wusste nicht weiter. Vor mir lag der Mensch, der innerhalb von vierzehn Tage so viel an Bedeutung gewonnen hatte, wie ich es nie für möglich gehalten hatte. Ich spüre das Salzwasser in meinen Augen brennen und blinzele sie weg. Zu früh.
Ich beuge mich links das Bett hinunter und hole den Umschlag und die Dose hervor. Zunächst gebe ich ihm das Armband, bei dem ich hoffe, dass er es in Gedanken an mich, immer tragen wird. Dann nehme ich den Umschlag in der Hand. "Ich habe ewig überlegt, was ich dir mitgeben kann, das nicht so schwer und so groß ist. Dann habe ich mich hierfür entschieden." Ich will ihm gerade den Umschlag in die Hand drücken, da fällt mir noch etwas ein. "Du musst mir aber etwas versprichen." Er nickt. "Du darfst ihn erst öffnen, wenn du mich vermisst. Und ich rede nicht von der Art Vermissen, wie du es vielleicht tust, wenn ich jetzt nicht da bin. Ich meine Wirklich vermissen. Richtiges Vermissen." Er lächelt: "Was ist, wenn ich dich jetzt schon vermisse?" "Das Vermissen meine ich aber nicht. Du wirst es schon merken. Das heißt aber auch, dass wenn du mich gar nicht vermisst, du den Umschlag aber auch nicht aufmachen darfst." Er blickt mich mit großen Augen an. Ich lächele.
Wenig später stehen wir an der vorletzten Ampel, bevor wir uns verabschieden müssen. Er redet von irgendwas, ich weiß nicht mehr was es war. Ich bin ruhig, weiß nicht was ich sagen soll, weil es noch so viel zu sagen gäbe. Und dann sind wir da. Ich blicke ihn an, in der Hoffnung, dass er nochmal mit mir aussteigt, aber Abschiede sind nicht so seins. "Küss mich einfach nur und dann steig aus." Schmerzlich sehe ich ihn an, kann teilweise nicht fassen, was er da von mir verlangt. Aber ich tue es, bevor ich aus einem Meer voll Tränen versinke. Ich küsse ihn und hoffe, dass es nicht der letzte Kuss sein wird. Ich nehme meine Sachen, steige aus, drehe mich nicht noch einmal um.
Keine fünf Minuten später stehe ich in dem Büro meiner Bankberaterin. Sie ist wie eine Freundin für mich und sieht mich verwirrt an. Fragt, weshalb ich eine Pflanze mit mir rumtrage. "Das ist ein Abschiedsgeschenk." "Ein Abschiedsgeschenk für wen?" "Für mich." "Oh, von wem?" Ich kräusele die Lippen. "Von.." Ich weiß nicht was ich antworten soll. Langsam bildet sich ein Klos in meinem Hals. "Von meinem Freund." Sie sieht mich geschockt an und als sie fragt, wie es mir geht, breche ich zusammen und bild ein neues Meer.