Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

4. Dezember 2015

Timingiseverything #11

ich habe fast nie an dich gedacht, außer am tag und in der nacht
Ich sitze auf meinem Bett, ein Lied in meinen Ohren, die Tasten unter meinen Fingern, du in meinem Kopf. Wie können drei Monate einfach so in Ordnung gewesen sein und plötzlich ist es, als würde ein Hurricane durch mein Leben wehen und das mitnehmen, was mein Fühlen erträglich gemacht hat. 28 Nachrichten auf dem Smartphone, Zettel mit Handynummern von fremden Männern auf meinem Schreibtisch, abgefallene Blüten der Orchidee auf der Fensterbank. Alles ist da, nur du nicht. Ich nicht.
Diese Sehnsucht ist nicht mehr so mitreißend wie zu Beginn dieser drei Monate, aber sie ist noch da. Schleichend und lauernd, wartend darauf, dass du wieder ein Fuß in dein Zuhause setzt, in meine Nähe. In mein Leben. Damit umzugehen, weiß ich nicht.
Ich glaube, Herzensbrüche lassen sich durch andere Herzensbrüche heilen. Das ist irgendwie genauso, wie wenn man sich kneift, damit es nicht so wehtut, wenn man Desinfektionsmittel auf eine Wunde tropft. Liebe ist genauso.
Der eigentliche Schmerz ist gar nicht mehr so schlimm, wenn da ein anderer Schmerz ist. Wie seltsam, dass man also ganz genau bestimmen kann, wo es weh tut. Oder wer einem weh tut.


Ich sitze auf dem Barhocker, vor mir dieser großartige Freund, den ich wirklich von Herzen liebe, weil er mir das Leben rettete, als es sonst niemand verstand, dass ich so nah am Abgrund stand. "Du musst mir einen Gefallen tun. Ich brauche deine Hilfe." Er sieht mich fordernd und durchdringend an. Sofort sehe ich ihm an, dass er es tun wird. Weil er ein guter Mensch ist, tief drinnen. Und vielleicht weil ich es bin, die ihn braucht. 
"Du musst ihm an Silvester einen Link schicken." Erst kurz darauf versteht er wem und welchen Link. "Das geht schon so lange. Wieso hängst du immer noch an ihm." Es ist keine Frage, das wissen wir beide. Ich zucke mit den Schultern. Ich lächele. Ich weiß, er versteht es, auch wenn er so tut, als ob er es nicht nachvollziehen könnte. 

Als ich aus dem Bad komme, bleibe ich kurz neben der Treppe stehen. Es ist so kalt hier, verlassen. Das letzte Mal als ich auf diesen Stufen saß, saß ich nicht allein dort und mein Herz bebbte. 
Ich senke den Kopf. Ich lächele. Ich vermisse. Drei Monate.
"Wir haben noch nie so lange allein miteinander geredet.", ich lächele. "Ja, stimmt." - "Wieso jetzt ?", frage ich ihn. "Du hast gesagt, ich lasse dich die ganze Zeit alleine und du suchst immer nach immer. Also dachte ich mir, jetzt widme ich mich mal ganz dir." 
Ich blicke auf den Boden.
Ich lächele.