Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

31. August 2016

findinghomeinaperson #1

Eine Stimme schalt von unten aus dem Keller "HIER UNTEN!"
Ich gucke die zwei anderen an und wir machen uns auf den Weg nach unten, während eine weitere Stimme ertönt, die ruft, dass man auf seinen Kopf aufpassen soll - zurecht - die Treppe oben hängt sehr tief.
Mit meinen Händen halte ich die Stufen über mir von meinem Kopf entfernt, während ich die unteren Stufen nach unten gehe. Ich warte unten auf meine Freundin und ihren Freund und dann wenden wir uns nach rechts und gehen durch einen Türrahmen hindurch, der uns einen Raum im Waldhausstil eröffnet. Links steht ein langer Tisch, auf dem zwei Wasserpfeifen, viele Flaschen und einige Snacks stehen, während rechts die Bar steht.
Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen, über die einzelnen Gesichter, und er bleibt an einem hängen. Der einzige Blondschopf im Raum und der, der mich sofort interessiert.
Sie versucht uns kurz zu erklären, wer wer ist, und dass der Typ ihr Bruder ist, kriege ich mit, den Rest jedoch nicht.
Meine Freundin, zu deren Geburtstag wir eingeladen sind, steht auf und begrüßt uns drei. Wir setzen uns und nachdem sie uns was zu trinken hingestellt hat, ruft sie der Runde zu, dass sie uns alle mal vorstellt. Als sie zu mir kommt, stellt sie mich als "Abenteurerin" vor, die in Südafrika war.
Ich unterhalte mich kurz mit dem, der links neben mir sitzt, da er auch in Südafrika war.

Im weiteren Verlauf des Abends steigt meine Konzentration. Sie steigt dahingehend, den Bruder meiner Freundin zu beobachten und irgendwann fällt es mir schwer, mich abzuwenden, wenn er mich zurück anblickt. Irgendwann sitzt er mir gegenüber und ich blicke ihn an und er blickt zurück und in mir löst sich alles. 
Ungewollt.
Denn eigentlich bin ich vergeben.
Noch.
An einen Unmenschen.

Umso später es wird, desto betrunkener wird der Freund meiner Freundin und dann sagt er etwas, was mich erröten lässt. Nachdem ich den Bruder wieder beobachtet habe und dann meinen Blick abgewendet habe, grinst er mich an: "Ich weiß, was du denkst. Und wohin du siehst."
Peinlich, aber es wird mir mit der Zeit egal.
Gegen zwei Uhr wollen die beiden langsam gehen, als der beste Freund des Bruder meiner Freundin sich uns gegenüber setzt. Er und der Freund meiner Freundin kommen ins Gespräch und irgendwann setzt sich der Bruder zu uns.
Wir kommen irgendwie zu einer dummen Wette, deren Einsatz es ist, dass ich dem Bruder meine Nummer gebe. Der Vorschlag kommt ganz begeistert von dem Freund meiner Freundin und ich gucke ihn böse und peinlich berührt an, während er mich fett angrinst. - Okay.
Und ich verliere natürlich und dann liegt das Handy, in das ich meine Nummer eingeben soll, vor mir.
Und in mir herrscht ein Krieg, da ich eigentlich noch vergeben bin. An einen Menschen, mit dem ich nicht mehr zusammen sein will.
Der Bruder sitzt direkt vor mir und ich sehe ihm in die Augen, sodass er unruhig wird, aber es ist mir egal. Er wird nervös, während ich nur aus seinen Augen lesen will, denn ich warte auf dieses eine bestimmte Licht, das man bisher noch nicht gesehen hat.
Das einem zuflüstert "Tu es.", wenn du nicht weiter weißt.
Und dann tue ich es. Ich gebe meine Nummer ein.
Kurz daraufhin ist der Bruder verschwunden und wir wollen gehen und ich finde schade, weil ich mich gern von ihm verabschiedet hätte.

Aber vielleicht würde er ja schreiben.
Und dann gehen wir.


Und er schreibt.

Aber wenn du mich zähmst, wird mein Leben wie durchsonnt sein. 
Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen anderen unterscheidet.