Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

13. September 2016

findinghomeinaperson #4

- "alles klar. erst heim oder direkt hierher ?"
- "Ich fahr direkt zu dir."
- "alles klar."

Und dann schickt er mir das Bild, das mir deutlich zeigt, dass er mich beim Wort nimmt. Er hat den Tequila dabei und dazu noch zwei Zitronen.
Ich bin vollkommen überrascht, verwirrt, verwundert, schockiert und noch ganz anderes, wozu es einfach an Worten fehlt. Aber irgendwie bin ich begeistert. Begeistert von ihm.

Ich sitze auf dem Sofa in dem Haus meines Onkels, auf das ich aufpassen muss, während er und meine Tanze im Kurzurlaub sind. Offiziell bin nur ich hier das Wochenende über. Inoffiziell habe ich diesen einen Menschen eingeladen, der es mir ohne Berührungen oder Wasserfälle von Worten in meine Gedanken geschafft hat - vierundzwanzig Stunden lang. Jeden Tag bisher.
Angespannt sitze ich auf dem Sofa, relativ normal aussehend hübsch gemacht und ein wenig aufgeräumt. Ich schalte durch die unglaublich vielen Sender, die der Fernseher meines Onkels zu bieten hat, um etwas rauszusuchen, was nicht ganz so langweilig scheint.
Und dann ist er da.
Mit dem Tequila in der Hand, dem Lächeln im Gesicht und meiner puren Aufregung im gesamten Körper tritt er durch die Haustür und steht dann da.
Es geht mir gut.
Wir sitzen gemeinsam auf dem Sofa und der Abend zieht vorüber, während der Tequila immer etwas weniger wird und der genauso die Distanz zwischen uns und der Abstand unserer Körper.
Irgendwann hält er mich im Arm, während ich meinen Kopf auf seine Schulter lege, weil es mich schwer fällt, die Augen offen zu halten. Ich nicke immer und immer wieder ein, obwohl ich mich fest mit meinem Bewusstsein an sein Bewusstsein klammere, da ich ihm das nicht antun möchte, einzuschlafen.
Und jedes Mal, wenn ich die Augen öffne, um zu sehen, was er tut oder was er davon hält, dass ich kurz davor bin, einzuschlafen, sehe ich seinen Blick auf mein Gesicht ruhen und es fühlt sich viel zu richtig an, als dieses Gefühl mit geschlossenen Augen nicht weiterhin und viel tiefer zu genießen.
Als ich das nächste Mal die Augen öffne, sieht er mich immer noch an.
Mit diesem Gesichtsausdruck, der völlige Wärme in meinem Inneren ausbreitet und der so unendlich zufrieden aussieht. Als wäre dieser Moment nicht nur für mich so endlos perfekt, sondern auch für ihn.
Und mit jedem weiteren Mal, bei dem ich meine Augen öffne und seinen Blick einfange, verliebe ich mich etwas mehr in ihn. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich die Augen leicht öffnete...

Als es sehr spät ist und er eigentlich schlafen müsste, genauso wie ich, biete ich ihm zögernd und peinlich berührt an, mit mir oben im Bett zu schlafen. Vorausgesetzt er sei einverstanden. Nie fielen mir Worte schwerer... vielleicht dieses Mal, weil es, für mich zumindest, so viel mehr bedeutete.
Er ist einverstanden.
Damit liegen wir in dem Bett in purer Dunkelheit. Ich bin an ihn gekuschelt, weil ich ihm Dunkeln viel zu viel Angst alleine habe, was er weiß, und seine Anwesenheit das Beruhigendste ist, was ich seit langer Zeit gespürt habe.
Meine Gedanken schweifen ständig dahin ab, wie es wohl wäre, ihn zu küssen. Und ob er dies noch tun wird.
Oder ob er so ist wie alle anderen und die Situation eines leicht angetrunkenen Mädchens ausnutzt, um es anzufassen. Aber das tut er nicht. Im Gegenteil.
Als mein Oberteil leicht hochrutscht, zieht er es behutsam wieder herunter und streicht es glatt, als würde er damit sicher gehen, dass es nicht noch einmal hochrutscht.

Ich schlafe eins zwei Stunden in seinen Armen. Er schläft gar nicht. Ich stelle mir vor, dass er nicht schläft, weil er in der Dunkelheit auf mich aufpassen will und der Gedanke gefällt mir. Der Gedanke, dass er mich beschützt, bringt mich zum Lächeln und berührt mich.
Eigentlich sollte ich mich nicht in ihn verlieben, keineswegs. Eigentlich wollte ich, dass wir vielleicht etwas füreinander da sein könnten, wenn er das möchte, da wir beide eine schwierige Zeit durchmachen.
Aber nun will ich nicht mehr, dass er geht.
Und ich möchte viel lieber noch einmal an seinem Körper liegen, leicht benebelt, weil sich dann alles noch viel schöner nach Traumwelt anfühlt, als es eigentlich ist. Und das hätte ich gerne - diese Traumwelt, denn in der Realität sieht es anders aus.
Und er würde der sein, der von der vielleicht Liebe seines Lebens verlassen wurde, mit einem anderen Mädchen, das einem Hollywood-Film nach die Falsche wäre, kurz etwas hätte, woraufhin die Liebe seines Lebens erkennen würde, was für einen großen Fehler sie gemacht hat, zu ihm zurückkommt, und beide damit in den Sonnenuntergang reiten und für immer zusammen bleiben würden.
Okay, vielleicht wäre das die Traumwelt. Aber nicht meine.

Ich liege nach seinem Verschwinden auf dem Sofa, die Katze zwischen meinen Beinen und mir wird klar, dass ich ihn behalten möchte. Dass ich noch nie so sicher mit einem Menschen war, dass es das Richtige ist. Und ich möchte ihn behalten, schießt es mir wieder und wieder in den Kopf.
"Bleib."

Charlie: "Mr. Anderson? Can I ask you something?"
Bill: "Yeah."
Charilie: "Why do nice people choose the wrong people to date?"
Bill: "Are we talking about someone specific?"
[Charlie noods]
Bill: "Well, we accept the love we think we deserve."
Charlie: "Can we make them know that they deserve more?"
Bill: "We can try."





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