Wenn man stumm ist, schreibt man seine Seele auf Papier.
Und manchmal schreibt man Geschichte.

15. September 2016

findinghomeinaperson #5

Der Tag geht schnell vorüber und der Abend beginnt.
Wieder sitze ich, wartend auf diesen einen Menschen, auf dem Sofa meines Onkels und wieder bin ich unglaublich aufgeregt.
Als ich ihm dann die Tür öffne, er stehend und zwei Pizza Kartons haltend in seiner Hand, lächele ich ihn breit an, weil nur das größte Lächeln genug wäre, damit meine Euphorie einen Weg aus meinem Körper findet.
Ich begrüße ihn und will ihn sofort umarmen und mich wieder in seine Arme legen, wie es in der Nacht zuvor der Fall war.
Damit er seine Schuhe ausziehen kann, nehme ich ihm die Pizza Kartons aus der Hand und dann sitzen wir beide auf der Couch und essen, nachdem er meinen Karton geöffnet hat, weil ich es nicht hinbekommen habe - blonde Momente eben.
Wir unterhalten uns und lernen uns von Stunde zu Stunde mehr kennen und, obwohl ich quasi einen fast-Fremden zu mir eingeladen habe, fühle ich mich wohler als es hier alleine hätte möglich sein können. Irgendwann fange ich aus Spaß an, ihm vorzuwerfen, dass er keinen Wein mitgebracht hat.
Und damit sitzen wir wenige Minuten später auch schon in seinem alten VW Golf und fahren zum nächsten Supermarkt, um Wein einzukaufen. Ich muss wohl verrückt geworden sein.

Zurück im Haus liegen wir zusammen auf der Couch und dieses Mal nähere ich mich ihm früher und ohne Alkoholeinfluss. Ich kuschel mich einfach an ihn und daraufhin hebt er seinen Arm und legt ihn um mich. Sein Duft benebelt mich und ich verliere mich langsam in seiner Wärme, die er ausstrahlt und in den Geruch. Es passt alles perfekt.
Relativ schnell ist die Flasche leer und er liegt mittlerweile mit dem Rücken auf dem Sofa und ich an ihm. Den ganzen Abend habe ich das Bedürfnis ihn zu küssen und der Drang wird nicht geringer. Ich will es ihm einfach sagen, dann widerrum will ich es einfach tun und nichts davon fühlt sich an, als wäre es gut genug.
Doch dann passiert es. Er fragt und ich sage, dass ich ihm schon den ganzen Abend was erzählen möchte, mich aber nicht traue.
Und damit erhebe ich mich, nehme einen Zettel, einen Stift und schreibe die Worte "Weil ich dich schon den ganzen Abend küssen möchte." nieder.
Als ich zurück komme, hat sich die Stimmung zwischen uns verändert.
Ich blicke ihn an und weiß, warum ich mich in ihn verliebe. Immer noch. In jedem Moment. Vor allem in Momenten wie diesem.
Er atmet zögernd aus: "Ich weiß nicht, was ich tun soll.."
Und als wäre es das einfachste der Welt, antworte ich: "Du solltest mich küssen."
Und damit küsst er mich und schon bin ich ganz in ihm verloren.
Als er mich anblickt, lächelnd, küsse ich ihn nochmal und lege alle Gründe dafür mit hinein.
Ich küsse ihn, weil es das schönste ist zu sehen, wie er seine Lippen nach innen zieht, seine Augen langsam schließt und dann leicht auf seine Unterlippe beißt, wenn man ihm ein Kompliment macht.
Oder weil er mit mir nachts durch die Welt fährt, wenn ich nicht nach Hause möchte und weil ich das Gefühl nicht beschreiben kann, dass mein Inneres und meine Gedanken überflutet, wenn sein Duft meine Nase erreicht.
Oder weil er mich beim Wort nimmt und es wirklich tut, wenn ich ihm, aus Spaß, sage, dass er Tequila mitbringen soll und weil er mich beobachtet, wie ich schlafe, weil ich mich wegen des Alkoholseinflusses nicht mehr wach halten kann.
Oder weil er tatsächlich zwei Nächte bei einer quasi Fremden in einem fremden Haus verbringt, um sie vor der Dunkelheit zu beschützen, vor der sie sich so fürchtet.
Und natürlich bin ich dabei viel zu romantisch und viel zu idealistisch, aber ich möchte den Gedanken beibehalten, dass er da ist, um mich zu beschützen.
Oder vielleicht küsse ich ihn auch, weil ich viel zu stark das Gefühl empfinde, ihn nicht mehr, auf gar keinen Fall, gehen lassen zu wollen.

Ich glaube an die Liebe auf den ersten Blick. Und ich glaube an Märchen und Happy Endings und auch an die einzig wahre Liebe. Vielleicht muss man daran festhalten, weil das meiste, was wir heute erleben, viel zu erschütternd ist, als dass wir keinen Anker in unserem Leben brauchen. Wir können es uns einfach nicht leisten, die Hoffnung zu verlieren, dass eines Tages alles gut werden wird.

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